Schwangerschaft & Geburt Sicherheit

Fehlgeburt - Die größte Angst in der Frühschwangerschaft

16. März 2021|10 Min. Lesezeit

Die ersten 12 Schwangerschaftswochen sind zum einem etwas ganz Besonderes, dennoch begleitet die meisten Eltern auch die Angst vor einer Fehlgeburt durch die Frühschwangerschaft. Egal, ob langer Kinderwunsch oder überraschender Bauchbewohner - eine Fehlgeburt zählt zu den größten Ängsten bis zur SSW 12. Wir möchten dir in dieser Zeit zur Seite stehen und dir ein paar wichtige Informationen zum Risiko einer Fehlgeburt und zu möglichen Anzeichen zur Verfügung stellen, um dich darin zu unterstützen, die ersten 12 Schwangerschaftswochen im Vertrauen in deinen Körper als wundervolle Frühschwangerschaft zu erleben.

Sandra Franzke

Hi, ich bin Sandra, 35 Jahre alt und Mama einer kleinen Räubertochter, sowie Gründerin des Podcasts #happy - Glückliche Schwangerschaft und angstfreie Geburt

Fehlgeburt: Was heißt das überhaupt?

Grundsätzlich wird von einer Fehlgeburt gesprochen, wenn eine Schwangerschaft (vor abgeschlossener SSW24) vorzeitig endet und das Baby weniger als 500g wiegt.

Bei einer Fehlgeburt, oder auch Abort genannt, unterscheidet man medizinisch gesehen zwischen einem Früh- und einem Spät Abort. 

Unter einem Frühabort wird eine Fehlgeburt bis einschließlich zur Schwangerschaftswoche 12 gezählt. Von einem Spätabort wird gesprochen, wenn eine Frau eine Fehlgeburt zwischen der 13ten und 22 bis SSW erleidet. Verstirbt das Baby nach der Schwangerschaftswoche 24 im Mutterleib spricht man von einer Totgeburt.

Fehlgeburt: Warum sind die ersten 12 SSW so kritisch?

Die Entwicklung von einer befruchteten Eizelle hin zu einem kleinen Menschen mit abgeschlossener SSW12 ist faszinierend. Denn wo mit ausbleiben der Regelblutung gerade mal ein kleiner Fetus war, der ca. 8mm gemessen hat, ist mit abgeschlossener SSW12 ein kleiner Mensch mit ausgebildeten Organen, Gliedmaßen und allen Anlagen für Gehirn und Nervensystem. So kann man sagen, dass in der Frühschwangerschaft das genetische Fundament deines Babys gelegt wird. Dazu kommt, dass sich die Plazenta entsprechend ausbildet, um dein Baby die nächsten 40 Schwangerschaftswochen mit allem Wertvollen zu versorgen. Als ob das alles nicht genug ist, stellt dein Körper sich komplett auf Schwangerschaft um, stellt deinen Hormonhaushalt Kopf, um die perfekten Grundlagen zu schaffen, dass deine Schwangerschaft bestehen bliebt.

Aber oder genau deshalb zählen die ersten 12 Schwangerschaftswochen zu der kritischsten Phase der Schwangerschaft und die Schwangerschaft gilt erst mit Abschluss der SSW 12 als stabil. Leider kommt es vor, dass es zu genetisch bedingten Entwicklungsstörungen des Embryos kommt oder die Plazenta sich nicht so entwickelt wie sie sollte oder sie gar Fehlbildungen aufweist. In diesen Fällen ist das Ergebnis leider häufig eine Fehlgeburt.

Jede Schwangere und jedes werdende Elternpaar wünschen sich ein gesundes Kind, da hilft manchmal, die im ersten Anschein recht nüchterne Betrachtungsweise, dass ein Abort in dieser frühen Phase zumeist darin begründet liegt, dass der Fetus genetische Entwicklungsstörungen aufweist, auf die der Körper als gesunde Reaktion mit dem Abstoßen des Fetus reagiert. Auch wenn eine Fehlgeburt ein furchtbares Erlebnis ist, ist diese Tatsache gegebenfalls ein kleiner Trost.

Risiko einer Fehlgeburt: Wann ist es am höchsten?

Man geht davon aus, dass das Risiko einer Fehlgeburt bei einer Frau unter 30 Jahren bei ca. 50% liegt, das heißt, dass die Hälfte aller befruchteten Eizellen genetische Entwicklungsstörungen aufweisen und vom Körper abgestoßen werden. Bei Frauen über 30 Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt in der Frühschwangerschaft sogar noch.

Die meisten Fehlgeburten bleiben unbemerkt

Die Zahl klingt erst einmal erschreckend, wenn man liest, dass bei es bei mehr als der Hälfte aller befruchteten Eizellen zu einer Fehlgeburt kommt. Was man jedoch dazu sagen muss, dass sich diese Zahl auf einen Abort vor der SSW 6 bezieht und somit von den meisten Frauen gar nicht wahrgenommen wird und somit unbemerkt bleibt. Anzeichen für einen möglichen Frühabort sind eine etwas verspätete Regelblutung, die in der Regel etwas stärker ist als sonst üblich.

Nach der abgeschlossenen SSW 5 sinkt das Risiko für eine Fehlgeburt auf 10-15% und reduziert sich von Schwangerschaftswoche zu Schwangerschaftswoche. Da 80% aller Aborte in den ersten 12 Schwangerschaftswochen stattfinden, hüten die meisten werdenden Eltern ihr Geheimnis mindestens so lange.

Fehlgeburt – Anzeichen, die auf eine Fehlgeburt hindeuten

Mit welchen Vorboten und Anzeichen eine Fehlgeburt einhergeht, hängt stark vom Stadium der Schwangerschaft ab. Das wohl bekannteste Anzeichen einer Fehlgeburt sind Blutungen in den ersten Schwangerschaftswochen. Darüber hinaus gibt es jedoch auch weitere Anzeichen, die auf eine Fehlgeburt hindeuten. Auch frühzeitige Wehen oder Wehen-Schmerzen können Anzeichen und Vorboten einer Fehlgeburt sein. Diese sind jedoch für eine Frau, die mit ihrem ersten Baby schwanger ist, sehr schwierig zu greifen und einzuordnen, da sie meist gar nicht weiß wie sich Wehen oder Wehen artige Schmerzen anfühlen.

Man unterscheidet daher in folgende Arten von Fehlgeburten, die mit jeweils eigenen Symptomen einhergehen:

Drohende Fehlgeburt

Zu ersten Symptomen zählen Blutungen die Regelblutungen ähneln. Zum Teil können Wehen dazukommen, dies muss aber nicht sein. Bei einem drohenden Abort bleibt der Muttermund geschlossen und durch viel Bettruhe kann der Abort gegeben falls noch aufgehalten werden.

Beginnende Fehlgeburt

Ein beginnender Abort gleicht hinsichtlich der Symptome einem drohenden Abort, mit dem Unterschied, dass der Muttermund bereits geöffnet ist und zumeist leider nicht mehr aufzuhalten ist.

Verhaltende Fehlgeburt

Die verhaltende Fehlgeburt ist für die Betroffene meist die emotional Schwerste. Da der verhaltende Abort ohne typische Symptome wie Blutungen oder Wehen-Schmerzen verläuft, wird er zumeist erst bei einer Vorsorgeuntersuchung diagnostiziert. Im Ultraschall wird dann sichtbar, dass der Embryo nicht mehr gewachsen ist und es ist kein Herzschlag darstellbar.

Fieberhafte Fehlgeburt

Man spricht auch vom septischen Abort, da diese Form der Fehlgeburt mit Fieber zwischen 38 und 39 Grad und eitrigen Scheidenausfluss einhergeht. Neben der tragischen Tatsache einer Fehlgeburt kann ein fieberhafter Abort auch lebensgefährlich für die Mutter sein. Solltest du als oben genannten Symptome aufweisen, solltest du umgehend einen Arzt aufsuchen.

Windei

Beim ersten Ultraschalltermin findet der Frauenarzt/ die Frauenärztin meist nur eine leere Fruchthöhle vor. Die befruchtete Eizelle hat sich nicht eingenistet und ist im Ultraschall nicht mehr darstellbar. Auf diese Form der Fehgeburt deuten meist nur Schmierblutungen hin. Es ist jedoch auch nicht untypisch, dass dieser Abort völlig Symptomfrei verläuft.

Symptome richtig einzuordnen fällt jedoch oft nicht einfach. Statistiken verängstigen einen und mit Bekanntwerden der Schwangerschaft hört eine Frau viel intensiver in ihren Körper rein und nimmt Zeichen wahr, die sie womöglich sonst ignoriert hätte. Das Gute ist, dass eine Frau mit den ersten Schwangerschaftshormonen auch eine Art siebten Sinn entwickelt und ein Bauchgefühl, ob es ihrem kleinen Bauchbewohner gut geht. Sollte dein Bauchgefühl also Alarm schlagen und du ff. Beschwerden wahrnehmen, wende dich umgehend an einen Arzt.

Bei diesen Symptomen solltest du einen Arzt konsultieren:
  • Starke Krämpfe bzw. starke krampfartige Beschwerden im Unterbauch
  • Starkes Ziehen im Rücken oder Unterbauch
  • Blutungen, seien sie auch noch so schwach
  • Fieber und eitriger Ausfluss
  • Ausgetretenes Fruchtwasser bei einer fortgeschrittenen Schwangerschaft

Was kann zu einer Fehlgeburt führen?

Du stellst dir sicherlich die Frage, was du tun kannst, um das Risiko für eine Fehlgeburt zu minimieren. Stress zu reduzieren, dir Ruhepausen zu gönnen und auf die Bedürfnisse, die dein Körper dir signalisiert sensibel einzugehen ist in der Tat fast das einzige was du tun kannst.
 

Wie kann es jedoch zu einer Fehlgeburt kommen? Das können Gründe für einen Abort sein:

  • Die häufigste Ursache – genetische Entwicklungsstörungen, mit denen der Fetus nicht überlebensfähig wäre
  • Schilddrüsenerkrankungen oder Diabetes mellitus, da diese den Hormonhaushalt der Mutter negativ beeinfluss
  • Anatomische Beeinträchtigungen der Gebärmutter
  • Erhöhte Neigung zu Thrombose, wodurch sich in der Plazenta Blutgerinnsel bilden können, die zu einer Unterversorgung des Fetus führen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Der Fetus besteht zu 50% aus körperfremden Genmaterial des Vaters, in der Regel stellt sich das Immunsystem der Frau darauf ein. Liegt hier ein Defekt vor, stößt der weibliche Körper den Fetus ab.

Nach der Fehlgeburt ist vor der Schwangerschaft

Eine Fehlgeburt geht immer mit sehr viel Tränen und Trauer einher. Es ist wichtig, dass ihr euch Zeit und auch Abschied nehmt. Das Abschiednehmen kann für jeden anders aussehen und selbst du und dein Partner können die eigene Form des Abschiedes wählen. Ganz wichtig ist, dass du dir keine Vorwürfe machst und du die Schuld nicht bei dir suchst. Versuche dir immer wieder vor Augen zu führen, dass der Großteil der Fehlgeburten auf Grund von genetischen Defekten passiert, die du nicht beeinflussen kannst.

Versuche dir Zeit zu geben, sammele Mut und gewinne das Vertrauen in deinen Körper für eine erneute Schwangerschaft zurück.

Schwanger nach Fehlgeburt

Bevor du dich mit deinem Partner an den erneuten Kinderwunsch stürzt, konsultiere auf jeden Fall deinen Frauenarzt/deine Frauenärztin, um anatomische Hintergründe an deiner Gebärmutter auszuschließen. Auch wenn die Empfehlung nach einer Fehlgeburt mindestens 3 Monate abzuwarten mittlerweile überholt ist, solltest du deiner Seele und deinem Körper Zeit geben, den Verlust zu verarbeiten.

Wenn dein Kopf, dein Geist und deine Seele sich dann bereit für ein neues Wunder fühlen, dann steht einer neuen Schwangerschaft nichts im Wege. Auch wenn rein statistisch die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Fehlgeburt bei 24% liegt, erleben die meisten Frauen eine komplikationsfreie Schwangerschaft.

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