Schwangerschaft & Geburt Sicherheit

Dammriss: eine unangenehme Geburtsverletzung

19. Juli 2021|10 Min. Lesezeit

Deine Geburt steht kurz bevor und zu der Vorfreude auf dein kleines Baby kommen vielleicht auch ein paar Sorgen über mögliche Geburtsverletzungen, wie zum Beispiel einem Dammriss? Vielleicht hat dein kleines Wunder bereits das Licht dieser wunderschönen Welt erblickt und dein Damm ist während der Geburt gerissen?

Nicht schön und ziemlich unangenehm. Du bist aber nicht allein, denn ein Dammriss ist nichts Ungewöhnliches, da das Gewebe des Damms, dafür gemacht ist, unter der Geburt zu reißen, um deinem Baby den Weg zu erleichtern. Wir wissen aber auch, dass ein Dammriss die ersten Tage und Wochen mit Baby erschwert, und deswegen haben wir dir unter anderem ein paar Tipps und Tricks zusammengestellt.

Was ist ein Dammriss eigentlich? Was kannst du vorbeugend gegen einen Dammriss unter der Geburt tun? Wie ein Dammriss behandelt wird und vieles mehr, erfährst du in diesem Blogbeitrag. Von uns bekommst du die ungeschönte Wahrheit – aber keine Angst, wir versprechen dir, alles wird gut. Alles was du benötigst, ist ein wenig Geduld und Durchhaltevermögen!

Verena Beger

Hi, ich bin Verena, als große Schwester habe ich Schwangerschaft und Kleinkindalter hautnah miterleben dürfen. Seit Jahren arbeite ich im Marketing für einen Kinderwagen Hersteller.

Dammriss – Was ist das eigentlich?

Dein Damm befindet sich zwischen Scheide und dem After (Darmausgang). Die Muskulatur und die Haut in diesem Bereich werden bei der Geburt deines kleinen Wunders besonders stark beansprucht und gedehnt. Besonders in dem Moment, wenn das kleine Köpfchen das Licht der Welt erblickt, besteht eine extreme Dehnung, wodurch das Gewebe durchaus an seine Grenzen stoßen kann. Das Resultat daraus kann ein Dammriss sein. 

Aber auch andere Regionen, wie etwa die Scheidenhaut, der Gebärmutterhals, die Schamlippen oder die Klitoris können einreißen. Das ganze kann ziemlich unangenehm werden, aber denk immer daran: Kein Schmerz der Welt kommt in diesem Moment gegen das Glück und die Freude über dein kleines neugeborenes Wunder an. Also alles halb so wild. 

Übrigens: viele Frauen merken es während der Geburt überhaupt nicht, wenn der Damm o. Ä. reißt.

Es gibt verschiedene Schweregrade des Dammrisses:

Dammriss Grad 1:

Damm ist nur oberflächlich an der Haut verletzt. Hierbei ist häufig nicht mal eine Naht nötig und die Wundheilung läuft meist komplikationslos. 

Dammriss Grad 2:

Hier ist zusätzlich zu der gerissenen Haut auch die Oberfläche der Dammmuskulatur verletzt. Der Damm muss hierbei in Schichten unter lokaler Betäubung genäht werden. 

Dammriss Grad 3:

Neben den Verletzungen der Haut und der Dammmuskulatur kommt hierbei auch noch der Riss (teilweise oder auch vollständig) des Afterschließmuskels hinzu. Schließmuskel, Dammmuskulatur und Haut werden daraufhin genäht.

Dammriss Grad 4:

Zusätzlich zu den oben genannten Verletzungen, reißt beim Dammriss Grad 4 auch noch die Darmschleimhaut. Hierbei werden danach Schließmuskel, Darmschleimhaut und Dammmuskulatur genäht und anschließend die Haut. 

Dammriss oder Dammschnitt?

Damals war es relativ normal, einen Dammschnitt bei einer Geburt durchzuführen. Heutzutage wird dieser Dammschnitt nur mehr bei etwa 12 % aller Geburten durchgeführt. Und dafür gibt es gute Gründe. Natürlich macht es ein Dammschnitt einem Baby durchaus leichter, auf die Welt zu kommen. Der Dammschnitt vergrößert die Öffnung, durch die das Baby hindurch muss, was zu einer schnelleren und angenehmeren Geburt führt. Trotzdem ist der Dammschnitt stark umstritten – denn ohne den Schnitt läuft das Gewebe zwar Gefahr zu reißen, aber eben nur genau so stark, bis das kleine Köpfchen durchpasst.

Wenn der Dammriss sorgfältig genäht ist, heilt er sogar meistens schneller und besser ab als ein Dammschnitt. Der Dammschnitt wird heutzutage daher nur noch eingesetzt, wenn er unbedingt nötig ist, beispielsweise bei einem zu engen Geburtskanal, wodurch das Kind sehr schnell mit Unterstützung einer Saugglocke geholt werden muss. Auch eine Beckenendlagengeburt wäre ein Grund für einen Dammschnitt. 

Dammriss – Wie kann ich ihn vorbeugen?

1. Dammmassage: Ziel der Dammmassage ist es, mithilfe eines bestimmten Öls und Massage-Techniken den Dammbereich auszudehnen und ihn dadurch auf die Geburt vorzubereiten. Starte mit den Massagen bestenfalls ca. 8 Wochen vor deinem errechneten Geburtstermin und führe sie regelmäßig durch.

 

Hier findest du eine tolle Massage Anleitung von Hebamme Sissi Rasche:

Combined Shape

2. „Epi‐No“: Der Epi‐No ist ein sogenannter Anti‐Dammschnitt‐Trainer. Gemeint ist damit ein kleiner Ballon, welcher in die Scheide eingeführt wird und von Mal zu Mal immer etwas mehr aufgeblasen wird. Diese Technik führt dazu, dass dein Dammgewebe gedehnt wird. Bevor du dieses Gerät benutzt, solltest du es erst mit deinem Arzt bzw. deiner Hebamme absprechen. 

3. Beckenbodentraining: Ein gestärkter Beckenboden, kann dir während der Geburt helfen, deine Muskeln während deinen Wehen bewusst entspannen zu können. 

Yoga‐Tipp von Verena für einen starken Beckenboden:

Finde die für dich angenehmste Sitz‐ oder Liegeposition und bringe deine Hände auf deinen Unterbauch. Atme ganz tief ein und lasse die Luft, die du einatmest, deinen ganzen Körper durchfließen. Versuche beim Ausatmen ein stimmhaftes ZZZZZ in dein Becken zu tönen. Der daraus entstehende Ton ähnelt dem Bienensummen eines Bienenstammes und führt zu jeder Menge Vibration in deinem Gewebe.

Versuche die perfekte Tonhöhe zu finden, damit du die Vibration bis in dein Becken und deine Beckenknochen spüren kannst. Stelle dir jetzt einfach vor, wie durch die Vibration all deine Anspannung im Beckenboden frei wird und sich wieder angenehm anfühlt. Wiederhole diese Übung regelmäßig 3–5 Mal am Stück und nimm dir danach ein paar Minuten um nachzuspüren. 

4. Sitzbad: Das Sitzbad lockert dein Gewebe und sorgt dafür, dass es geschmeidig bleibt. Es eignet sich dafür eine spezielle Sitzbad‐Wanne, aber auch eine normale Badewanne bringt das gewünschte Ergebnis. Gieße für das Sitzbad entweder Heublumen oder Lindenblüten mit kochendem Wasser auf. Warte anschließend bis das Wasser etwa 35 Grad erreicht hat und setze dich dann für 10–15 Minuten in die Wanne. 

Du kannst mit den Bädern etwa sechs Wochen vor der Geburt beginnen und es einmal wöchentlich durchführen. Ab dem errechneten Entbindungstermin kannst du es auch einmal täglich durchführen. Solltest du mit Hämoriden zu kämpfen haben, raten wir dir jedoch von einem Sitzbad ab, da dieses deine Beschwerden verstärken würde.

5. Himbeerblättertee: Der Himbeerblättertee ist dafür bekannt, dass er den Dammbereich und den Beckenboden elastischer machen soll. Auch die Muskulatur im Unterleib soll er auflockern. Beginnen kannst du mit dem Tee etwa acht Wochen vor der Geburt. Du kannst mit gutem Gewissen zwei bis drei Tassen Himbeerblättertee trinken.

Dammriss – Behandlung und Pflege

Nun erklären wir dir, was du nach dem Dammriss tun kannst, um die Wundheilung bestmöglich zu unterstützen. 


1. Sitzbad: Auch bei der Wundheilung spielt das Sitzbad eine wichtige Rolle. Hier kannst du beispielsweise mit Pflanzen wie Kamille, Scharfgabe oder Ringelblume baden. 

2. Kühlen: Gegen die Schwellung der Narbe hilft zweifelsohne kühlen!

Hier haben wir einen tollen Tipp für dich:

Sandra ist selber Mama und hat eine Wochenbett Box entwickelt, welche alles enthält, was du für ein erholsames Wochenbett brauchst. In der Box enthalten, ist unter anderem eine Kühleinlage der Extraklasse. Diese Kühleinlage ist auf die Gegebenheiten deines Intimbereiches angepasst und bietet punktuelle und lindernde Kühlung.

Klingt gut? Dann schaue dir diese gerne einmal an.

3. Spülen: Anstatt der Sitzbäder kannst du natürlich auch regelmäßig zu Intimspülungen greifen. Hierzu gibt es spezielle Lösungen, die du in der Apotheke kaufen kannst. Lasse bei der Intimspülung die Lösung einmal am Tag von oben zwischen deinen Beinen durchlaufen, wenn du auf der Toilette sitzt. Dafür eignet sich eine Po-Dusche optimal.

4. Eincremen: Wenn sich die Fäden dann aufgelöst haben, kannst du die Narbe 1 – 2 Mal täglich behandeln. Hierfür eignet sich besonders Mandelöl zum Einmassieren. Natürlich kannst du auch eine spezielle Narbensalbe aus der Apotheke benutzen. Durch das Eincremen wird die Durchblutung des Gewebes gefördert und somit die Selbstheilungskräfte deiner Haut aktiviert. 


Wir wünschen dir weiterhin eine wunderschöne Geburt bzw. Wochenbettzeit! 

Deine Verena vom Baby Q Team

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