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Doula – was ist das eigentlich und wo liegt der Unterschied zur Hebamme?

14. Juni 2021|10 Min. Lesezeit

Es ist endlich soweit, da wächst ein kleiner Bauchbewohner in dir heran und du begibst dich langsam auf die Suche nach jemandem, der dich auf deinem Weg hin zur Geburt und darüber hinaus begleitet? Gerade beim ersten Kind haben viele werdende Mütter den Wunsch einer sehr intensiven Betreuung.

Die Hebamme scheint hier im ersten Moment die einzige Option. Wenn du dich aber schon ein wenig mit dem Thema Hebammensuche auseinandergesetzt hast, dann weißt du, dass es alles andere als leicht ist, diese eine Person zu finden, die du dir als Begleitung für diesen wunderschönen aber auch total neuen Weg in deinem Leben wünschst. Das ist trotzdem kein Grund zu verzweifeln! Denn seit ein paar Jahren, nimmt die Verbreitung von Doulas zu, eine ganz besondere Betreuung von Schwangerschaft und Wochenbett.

Wir erklären dir, was eine Doula überhaupt ist, wie sie sich von der Hebamme unterscheidet und wie sie sich ergänzen und welche Vorteile du mit der Begleitung durch eine Doula hast. 

Verena Beger

Hi, ich bin Verena, als große Schwester habe ich Schwangerschaft und Kleinkindalter hautnah miterleben dürfen. Seit Jahren arbeite ich im Marketing für einen Kinderwagen Hersteller.

Was ist eine Doula?

Das Wort „Doula“ kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie Dienerin. Eine Doula ist quasi eine „Dienerin“, welche dich in der Schwangerschaft unter der Geburt und im Wochenbett emotional und mental begleitet und dir eine wichtige Stütze in diesem aufregenden Lebensabschnitt ist. Dieser Trend schwappte aus den USA vor etwa zehn Jahren nach Deutschland über. In den USA sind Hebammen in Krankenhäusern nämlich Mangelware, quasi eine ähnliche Situation, die wir aktuell in Deutschland vorfinden.

Die Betreuung durch die Doula reicht über die Schwangerschaft hinaus, denn auch bei der Geburt und im Wochenbett ist die Doula für dich da und versucht bestmöglich auf deine Bedürfnisse einzugehen, um dir diese Zeit so gut wie möglich zur erleichtern.

Combined Shape

Heutzutage ist es unter Umständen wirklich schwierig, eine passende Hebamme für sich zu finden. Das verunsichert viele Frauen, sie fühlen sich allein gelassen und verängstigt. Das ist völlig verständlich, denn es beginnt ein komplett neuer Lebensabschnitt, der so unfassbar viele Veränderungen mit sich bringt. Hier kann eine Doula eine wundervolle zusätzliche Stütze sein und dir genau die mentale und emotionale Stütze geben, die du dir in diesem neuen Lebensabschnitt wünscht. 

Vorteile einer Doula

Es wurde schon 1995 von Klaus und Kennell in ihrem Buch „Doula – der neue Weg der Geburtsbegleitung“ festgestellt, dass bei einer Geburtsbegleitung durch eine Doula weniger Geburtseingriffe nötig sind. Das heißt, dass Geburten durch den Beistand der Doula leichter und kürzer sein sollen. Auch die benötigten Medikamente während der Geburt sind durchaus geringer. 

Durch die begleitete Geburt soll auch die Kaiserschnittrate verringert sein. Auch Stillprobleme von Frauen, die von einer Doula unterstützt werden, sollen sehr gering sein. Außerdem erleichtert eine Doula den Eltern einen sicheren Umgang mit der neuen Familienkonstellation. Das klingt doch schonmal nach einer Menge toller Vorteile für dich als werdende Mama eines kleinen Wunders. 

 

Hier nochmal die Vorteile durch die Begleitung einer Doula auf einen Blick:

  • Verkürzung der Eröffnungsphase der Geburt
  • Weniger Einsatz von Schmerzmitteln und Periduralanästhesien (PDA)
  • Weniger Einsatz von wehenfördernden Mitteln
  • Weniger Komplikationen unter der Geburt
  • Geringere Kaiserschnittrate
  • Weniger Stillprobleme
  • Stärkung der Paarbeziehung, durch intensive Unterstützung

Betrachtet man die oben aufgeführten Vorteile, welche die Begleitung durch eine Doula mit sich bringen, wird schnell deutlich, wie wertvoll die Arbeit von Doulas ist. Der Schwerpunkt der Arbeit einer Doula liegt neben der mentalen und emotionalen Begleitung und Unterstützung vor allem aber in der Starthilfe für kleine Familien. Die Doula begleitet frischgebackene Eltern direkt nach der Geburt, unterstützt beim ersten Anziehen, Wickeln und gibt wertvolle erste Tipps beim Stillen. Das Ergebnis ist weniger Überforderung bei den frischgebackenen Eltern und ein entspannter Start in das neue Familienleben. 

Was macht eine Doula vor, während und nach der Geburt?

Die Doula ist sozusagen deine emotionale Allround‐Hilfe. Sie steht dir zur Seite und beantwortet dir alle Fragen rund um die Schwangerschaft, die Geburt und das Wochenbett. Die Doula hat aber keine Ausbildung als Geburtshelferin, das heißt, sie kann die Arbeit einer Hebamme oder eines Arztes bzw. einer Ärztin nicht ersetzen. 

Doula – Begleitung vor der Geburt

Vor der Geburt triffst du dich etwa 2–3 Mal mit deiner Doula. Hierbei lernt ihr euch besser kennen, wodurch eine entspannte und vertrauensvolle Atmosphäre geschaffen wird. Deine Doula gibt dir Anregungen zur Vorbereitung auf die kommende Zeit. Außerdem wird sie dir deine Fragen rund um die Schwangerschaft, den Geburtsverlauf und das Wochenbett beantworten. Sie kann dir auch einfache Atem‐ oder Körperübungen zeigen. 

Die Doula ist dann 14 Tage vor und 14 Tage nach errechneten Geburtstermin auf Rufbereitschaft für dich da. Du kannst sie zu jeder Tages‐ und Nachtzeit anrufen, falls es losgeht. Entweder kommt sie dann zu dir nach Hause oder direkt zu dir ins Krankenhaus. 

Doula – Begleitung unter der Geburt

Die medizinische Verantwortung bleibt wie oben erwähnt, während der Geburt bei der Hebamme bzw. dem Arzt/der Ärztin. Es kann sein, dass die Hebamme während der Geburt öfter mal den Raum verlässt, da sie unter Umständen noch weitere Schwangere betreut. Die Doula dagegen bleibt die komplette Zeit der Geburt an deiner Seite, egal wie lange die Geburt dauert. Sie beruhigt dich, massiert dich, tröstet dich, schenkt dir eine Sicherheit und kümmert sich voll und ganz um dein Wohl. 

Die genauen Aufgaben einer Doula sind jedoch bei jeder Frau anders, denn hier geht es nur um die Bedürfnisse der Schwangeren. Die einen möchten gerne nur den seelischen Beistand und die anderen benötigen beispielsweise Hilfe bei Positionswechsel während der Geburt oder möchten Essen und Trinken bekommen etc. All diese Wünsche erfüllt dir deine Doula. 

Doula – Begleitung nach der Geburt

Der erste Besuch der Doula bei den frischgebackenen Eltern findet meist kurz nach der Geburt statt, der zweite dann ca. einen Monat später. In den Nachgesprächen geht es darum, wie es der frischgebackenen Familie geht und herauszufinden, wie der Alltag aussieht. Oft wollen Frauen auch nochmal über die Geburt sprechen oder haben noch offene Fragen, die dann noch geklärt werden. 

Als Zusatzleistung kann man bei der Doula auch eine Wochenbettbegleitung buchen. Diese beinhaltet von Doula zu Doula unterschiedliche Angebote, wie beispielsweise eine Unterstützung in der alltäglichen Handhabung mit deinem neugeborenen Wunder. 


Hier noch ein Erfahrungsbericht: 

Nach langer Kinderwunschzeit freuten wir uns riesig auf die Geburt unseres 1. Kindes. Dabei wünschten wir uns eine liebevolle und vertraute Begleitung vor, während und nach der Geburt. Unsere Doula Kerstin hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Bereits in der Schwangerschaft hatte sie viele gute Tipps für uns und hat uns immer wieder ermutigt, wenn doch mal Zweifel aufkamen. Während der Geburt war sie an unserer Seite und hat insbesondere auch meinen Mann entlastet. 

Sie sorgte für eine entspannte Atmosphäre im Kreißsaal und auch als Schwierigkeiten auftauchten, hat sie mich stets bestärkt und war immer für mich da. Das tat sehr gut! Obwohl am Ende ein Kaiserschnitt notwendig wurde, bin ich mit meinem Geburtserlebnis vollkommen im Reinen, da ich mich mit Kerstins Hilfe auch auf diesen Ausgang vorbereiten konnte. Wir durften alles in allem eine sehr stimmige und schöne Geburt erleben. Auch nach der eigentlichen Geburt und im Wochenbett war Kerstin liebevoll mit Rat und Hilfe für uns da, was wir sehr zu schätzen wussten. Wir würden es jederzeit wieder genauso machen und auch bei einer hoffentlich nächsten Geburt wünschen wir uns wieder Kerstin an unserer Seite.

Du möchtest noch mehr erfahren? ... Mehr Erfahrungsberichte und Fachthemen findest du hier.

Unterschied Doula und Hebamme

Eine Doula unterscheidet sich in sehr vielen Bereichen von einer Hebamme. Angefangen dabei, dass die Doula keinerlei medizinische Kompetenzen aufweist. Stattdessen durchläuft sie eine Ausbildung, in der es um den Umgang mit verschiedenen Geburtsverläufen, aktiven Zuhören, non‐verbale Kommunikation, Wohlfühltechniken, Physiologie von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett geht. Die Hebamme hingegen bringt die nötige medizinische Kompetenz durch ihre medizinische Ausbildung mit. 

Die Doula ist als mentale und emotionale Unterstützung für dich da, während die Hebamme für die klinische Versorgung sorgt. Deine Doula steht dir die ganze Zeit zur Seite, unterstützt dich mit Schmerztechniken, hilft dir bei der Positionierung und ermutigt dich. Die Hebamme sorgt sich währenddessen hauptsächlich um deine physische Gesundheit und die deines kleinen Wunders in deinem Bauch. 

Die Hebamme dokumentiert die Geburt und die Doula hilft bei der Erstellung des Geburtsplans. Von der Doula bekommst du alle nötigen Informationen. Sie steht dir für all deine Bedürfnisse während der Geburt zur Verfügung, während die Hebamme für das Abhören der Herztöne und die nötigen Untersuchungen zuständig ist. 

Doula, Hebamme oder lieber beides?

Doulas sind ganz und gar nicht so etwas wie Konkurrenten – sie arbeiten am Liebsten Hand in Hand, um dir als Gebärenden den Raum und die Zeit für deinen Geburtsweg zu lassen. Sie wollen dir ein einzigartiges Geburtserlebnis schaffen und dir bestmöglich zur Seite stehen bei dieser wundervollen Erfahrung einer Geburt. 

Die Hebamme ist eine medizinische Fachfrau für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett und greift ein, wenn es zu gesundheitlichen Problemen kommt. Die Doula unterstützt dich als Gebärende emotional und begleitet dich durch die Höhen und Tiefen der Geburtswellen. 

Hier gilt es zu betonen, dass eine Doula kein Ersatz für eine Hebamme ist, denn die medizinische Versorgung ist absolut essentiell. 

Unser BabyQ‐Tipp: Sollten dich die Fakten über die Doula überzeugt haben, dann erkundige dich gerne nach einer passenden Doula in deiner Nähe. Gleichzeitig ist es sehr wichtig, dass du parallel nach einer Hebamme suchst. Damit du genügend Zeit hast, dich um die Suche deiner Geburtsbegleitung zu kümmern, fange frühzeitig damit an. Am besten in den ersten Monaten deiner Schwangerschaft. So vermeidest du Stress kurz vor der Geburt deines kleinen Wunders. 

Was kostet eine Doula?

Leider übernimmt deine Krankenkasse die Kosten für eine Doula nicht, was bedeutet, dass du die Kosten hierfür selbst tragen musst. Die Kosten für eine Doula können sehr unterschiedlich sein und belaufen sich von etwa 450 Euro auf bis zu 1200 Euro. In diesem Betrag sind jedoch alle Termine sowie die zweiwöchige Rufbereitschaft rund um den Geburtstermin mitinbegriffen. 
Solltest du nur sehr geringe finanzielle Mittel zu verfügen haben, dann gibt es auch hier keinen Grund zur Sorge. Du hast die Möglichkeit, einen Antrag auf Förderung der Doula‐Geburtsbegleitung bei DOULAS in Deutschland e. V. zu stellen. Diese Hilfe wird finanziert durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und die ehrenamtliche Arbeit von Doulas. 

Das klingt spannend für dich und du möchtest dich auf die Suche nach einer Doula machen?

Dann schau doch gerne mal auf der Website von „DOULAS in Deutschland e. V." vorbei. Hier findest alle Infos zum Verein und tolle Doulas in deiner Nähe.

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