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Elterngeld & Co. – Das Wichtigste im Überblick – Tipps und Tricks

13. Oktober 2021|10 Min. Lesezeit

Was ist eigentlich Elterngeld?

Elterngeld ist eine staatliche Sozialleistung, wenn du nach der Geburt deines Kindes deine ErwerbstĂ€tigkeit zugunsten der Kinderbetreuung einstellst, bzw. einschrĂ€nkst. Als Entgeltersatzleistung, vergleichbar mit dem Arbeitslosen‐ und Krankengeld, unterstĂŒtzt dich das Elterngeld nach der Geburt deines Kindes.

Felix Böhme, Dipl. Finanzwirt (FH)

GrĂŒnder und GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Einfach Elterngeld

Was ist Basiselterngeld?

Basiselterngeld ist das „klassische“ Elterngeld. Beiden Elternteilen stehen zusammen 14 Monate Basiselterngeld zu. Die Aufteilung kann beliebig erfolgen, jedoch kann ein Elternteil höchstens 12 Monate (Ausnahme: Alleinerziehende) in Anspruch nehmen. Es mĂŒssen mindestens zwei Monate in Anspruch genommen werden. Ein einzelner Monat Elterngeld ist nicht vorgesehen.

 

Beispiel:

Vater und Mutter sind beide angestellt. Ihr gemeinsames Kind wurde am 23.03.2021 geboren. Sie wÀhlen die "klassische" Aufteilung der Elterngeldmonate, indem die Mutter die ersten zwölf Lebensmonate Elterngeld in Anspruch nimmt und der Vater den 13. und 14. Lebensmonat Elterngeld beansprucht (die sog. VÀtermonate).

Das (Netto-)Einkommen der Mutter betrĂ€gt 2.093,- EUR, weshalb ihr Elterngeldanspruch 1.360,- EUR (= 65% von 2.093,- EUR) betrĂ€gt. Das (Netto-)Einkommen des Vaters betrĂ€gt 1.967,- EUR, weshalb sein Elterngeldanspruch 1.278,- EUR (= 65% von 1.967,- EUR) betrĂ€gt.

Nach diesen 14 Lebensmonaten des Kindes ist grundsĂ€tzlich der Elterngeldanspruch aufgebraucht (Ausnahme: Inanspruchnahme von Partnerschaftsbonusmonaten). Basiselterngeld kann nicht ĂŒber den 14. Lebensmonat des Kindes hinaus in Anspruch genommen werden (wohl aber Elterngeld Plus oder Partnerschaftsbonusmonate).

Hinweis:

Wenn dein Kind als FrĂŒhchen geboren wird kann sich der Bezugszeitraum von gemeinsamen 14 auf bis zu 18 gemeinsamen Basiselterngeldmonate erhöhen (gilt fĂŒr Kinder, geboren ab 01.09.2021):

Was ist Elterngeld Plus?

Vorsicht, was nach „mehr Elterngeld“ klingt, entpuppt sich als weniger. Um genau zu sein die HĂ€lfte des Basiselterngeldes. DafĂŒr hat man den Anspruch aber dann doppelt so lang. Man kann also anstatt einem Basiselterngeldmonat zwei Elterngeld Plus Monate nehmen. Durch das Elterngeld Plus ergeben sich mehrere Bezugsoptionen von Elterngeld und damit viele Gestaltungsmöglichkeiten.

Wer sollte Elterngeld Plus beantragen?

Wer lĂ€nger als ein Jahr seine ErwerbstĂ€tigkeit einschrĂ€nkt und gern sein gesamtes Elterngeld ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum ausgezahlt haben möchte. Das Ganze lohnt sich dann insbesondere fĂŒr die Eltern, die gemeinsam zur Einkommensteuer veranlagt werden, weil die Versteuerung des Elterngeldes durch Elterngeld Plus auf mehrere steuerliche VeranlagungszeitrĂ€ume verteilt werden.

Das Besondere an Elterngeld Plus ist, dass man im Gegensatz zum Basiselterngeld ungefĂ€hr das hĂ€lftige vorgeburtliche Nettoeinkommen dazuverdienen, ohne dass das Elterngeld gekĂŒrzt wird. Aber: pauschale BetrĂ€ge kann man hier nicht einfach so nennen, das „optimale“ Elterngeld Plus Brutto wird in einer komplexen Berechnung ermittelt.

Was sind die Partnerschaftsbonusmonate?

Die Partnerschaftsbonusmonate sind acht weitere Elterngeld Plus Monate (vier pro Elternteil), die man an vier aufeinander folgenden Lebensmonaten des Kindes beanspruchen kann. Um Partnerschaftsbonusmonate erhalten zu können, mĂŒssen drei Voraussetzungen vorliegen:

  • an mindestens 2, maximal 4 aufeinanderfolgenden Lebensmonaten
  • parallel (also beide Elternteile gleichzeitig)
  • mindestens 24, maximal 32 Wochenstunden im Lebensmonatsdurchschnitt teilzeiterwerbstĂ€tig sein.

Hier fördert der Gesetzgeber also eine TeilzeiterwerbstĂ€tigkeit beider Eltern mit dem Ziel, dass die Betreuung und Erziehung des Kindes von beiden Elternteilen möglichst gleichermaßen ĂŒbernommen wird.

Du bist dir nicht sicher, welche Bezugsart fĂŒr deine/eure Familiensituation am Besten ist? Nutze unseren kostenfreien Elterngeldrechner, um verschiedene Bezugsvarianten zu testen.

Wenn du dir nicht sicher bist, stehen wir dir sehr gern im Rahmen unserer persönlichen Elterngeldberatung zur VerfĂŒgung, um den besten Bezugszeitraum fĂŒr deine Situation gemeinsam mit dir zu erörtern. Wir nennen das Optimierungsanalyse.

 

Wer bekommt Elterngeld?

Um Elterngeld zu beantragen, mĂŒsst ihr 5 Grundvoraussetzungen erfĂŒllen:

  • Ihr habt euren Wohnsitz oder euren gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland
  • Ihr lebt mit eurem Kind im selben Haushalt
  • Ihr betreut und erzieht das Kind selbst
  • WĂ€hrend des Elterngeldbezuges seid ihr maximal mit 30 Wochenstunden erwerbstĂ€tig
  • Euer zu versteuerndes Einkommen lt. Einkommensteuerbescheid im Kalenderjahr vor der Geburt betrug nicht mehr als 250.000 EUR (Alleinerziehende), bzw. 300.000 EUR (Elternpaare)

Die Grundvoraussetzungen sind also ĂŒberschaubar.

Wie hoch ist das Elterngeld?

Das Elterngeld ersetzt dein Nettoeinkommen aus einem 12-Monats Vergleichszeitraum vor der Geburt zu etwa 65%. Du bekommst mindestens 300€ im Monat, maximal 1.800€ pro Monat.

Welcher 12-Monatszeitraum bei dir zĂ€hlt, ist genau zu prĂŒfen. Wenn du selbstĂ€ndige EinkĂŒnfte hast (auch im Nebenerwerb) gilt grundsĂ€tzlich das letzte Kalenderjahr vor Geburt (Ausnahmen gibt es bei sehr geringfĂŒgigen selbstĂ€ndigen NebentĂ€tigkeiten).

Kann ich beim Elterngeld etwas dazuverdienen?

Auf jeden Fall darfst du wÀhrend des Elterngeldbezuges etwas dazuverdienen (du darfst sogar bis zu 32 Wochenstunden arbeiten).

Die Frage ist nur: Lohnt sich der Zuverdienst?

Die Berechnung eines Zuverdienstes ist leider sehr komplex. Der Zuverdienst wird nicht einfach vom Elterngeld „abgezogen“, sondern die Elterngeldstelle vergleicht dein vorgeburtliches fiktives Netto-Einkommen mit deinem nachgeburtlichen fiktiven Zuverdienstnetto.

Nehmen wir an, das vorgeburtliche Nettoeinkommen betrĂ€gt 1.734,- EUR. Hat man nun einen Zuverdienst von 1.000- EUR netto (fiktives Netto unter BerĂŒcksichtigung der Steuer- und Sozialversicherungsabzugsmerkmale des Bemessungszeitraumes) ergibt sich ein Erwerbsverlust von 734,- EUR. Der Erwerbsverlust wird in Höhe der Ersatzrate (65%) ersetzt.

Das Elterngeld in dem Fall wĂŒrde also 477,10 EUR betragen.

Nun ist aber immer die Herausforderung, das Brutto (bzw. den Gewinn vor Steuern, wenn selbstÀndig) herauszubekommen. Unser Zuverdienstrechner (Bestandteil der Elterngeldsoftware) rechnet dir den Zuverdienst ausgehend vom Brutto aus, was sehr hilfreich bei der Planung deines Elterngeldbezuges sein kann.

Zuverdienst bei Basiselterngeld und Elterngeld Plus

WĂ€hrend das Basiselterngeld keine anrechnungsfreie Zuverdienstgrenze kennt und damit jeder Euro Zuverdienst auch anteilig das Elterngeld verringert, kannst du beim Elterngeld Plus dein hĂ€lftiges vorgeburtliches Netto anrechnungsfrei hinzuverdienen, was durchaus lukrativ sein kann. Ein Zuverdienst wĂ€hrend Basiselterngeldbezug lohnt sich also in der Regel nicht, weil die Einbußen beim Elterngeld im Vergleich zum Zuverdienst unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig hoch ausfallen.

Unsere Elterngeldsoftware rechnet dir dein „optimales Elterngeld Plus-Brutto“ aus, damit du auf Nummer sicher gehen kannst, dass dein Elterngeld auch nicht gekĂŒrzt wird.

Wie lange gibt es Elterngeld?

Basiselterngeld kann man lĂ€ngstens fĂŒr 12 Lebensmonate beantragen (Ausnahme bei FrĂŒhchen, hier bis zu 16). Wenn du Elterngeld beantragen möchtest, musst du dich aber fĂŒr mindestens 2 Monate entscheiden. Durch Elterngeld Plus kann man seinen Elterngeldbezug strecken.

Welche Auswirkungen hat das Elterngeld auf die Krankenkasse und Rentenversicherung?

WĂ€hrend einer 100%igen Elternzeit sind gesetzlich pflichtversicherte beitragsfrei weiterhin kranken- und pflegeversichert. Verbeamtete Eltern zahlen in aller Regel ihren Beitrag in der privaten Krankenversicherung wĂ€hrend der Elternzeit in voller Höhe weiter, erhalten aber ggf. einen Zuschuss zu den Kosten von der BezĂŒgestelle. Die Beihilfeberechtigung besteht wĂ€hrend der Elternzeit weiter.

Bei Angestellten ĂŒbernimmt der Bund sog. Kindererziehungszeiten fĂŒr die Rentenversicherung. So als ob man wĂ€hrend der Elternzeit ein monatliches Bruttoarbeitsentgelt von etwa 3.400€ (entspricht dem durchschnittlichen Bruttoarbeitsentgelt in Deutschland) hat. Beamte erhalten vergleichbare ruhegehaltfĂ€hige Dienstzeiten.

Achtung: Letzteres gilt jedoch nur fĂŒr ein Elternteil und nicht fĂŒr beide Eltern, wenn sie parallel in Elternzeit sind.

Freiwillig gesetzlich versicherte mĂŒssen auch wĂ€hrend der Elternzeit BeitrĂ€ge zahlen, bitte wende dich an deine Krankenversicherung, weil hier die individuellen Regelungen deiner Krankenkasse greifen.

Muss ich Elterngeld versteuern?

Elterngeld wird zwar steuerfrei ausgezahlt, unterliegt jedoch, wie Mutterschaftsgeld, Krankengeld, Arbeitslosengeld I, Kurzarbeitergeld, etc. dem sog. Progressionsvorbehalt in der Einkommensteuer. Das bedeutet, dass deine ProgressionseinkĂŒnfte (Elterngeld, etc.) deinen individuellen Einkommensteuersatz nachtrĂ€glich erhöhen. Dadurch kann es vereinzelt zu Steuernachzahlungen kommen.

Ein Tipp von Einfach Elterngeld

Verheiratete sollten, um auf Nummer sicher zu gehen, wÀhrend der Elternzeit die Steuerklassenkombination IV/IV wÀhlen, um genug Einkommensteuer vorauszuzahlen.

Hinweis: Wer ĂŒber 410€ ProgressionseinkĂŒnfte pro Kalenderjahr erhĂ€lt, muss eine EinkommensteuererklĂ€rung abgeben. Die FinanzĂ€mter kommen ggf. erst Jahre spĂ€ter auf euch zu und fordern die SteuererklĂ€rung an. Um hier nicht ĂŒberrascht zu werden, empfiehlt sich, bereits frĂŒhzeitig die Einkommensteuer probezurechnen und ggf. gleich einzureichen.

In diesem Video erfÀhrst du, was beim Elterngeld bei der SteuererklÀrung beachtet werden muss.

Combined Shape

Wann sollte ich mich mit Elterngeld beschÀftigen?

Wie bei der Hebammensuche gilt hier, besser zu frĂŒh als zu spĂ€t. Wenn du dich rechtzeitig mit dem Thema beschĂ€ftigst, kannst du die Höhe des Elterngelds verbessern. Viele Eltern beschĂ€ftigen sich tatsĂ€chlich bereits vor der Schwangerschaft mit dem Thema, was stellenweise durchaus sinnvoll sein kann.

Elterngeld Antrag

Wann beantrage ich Elterngeld?

Du kannst Elterngeld erst nach der Geburt des Kindes beantragen, weil erst dann Geburtsdatum und Name des Kindes „feststehen“. Überdies liegen die anspruchsbegrĂŒndenden Unterlagen meist erst ca. zwei bis drei Wochen nach der Geburt vor (Geburtsurkunde, Mutterschaftsgeldbescheinigungen, Arbeitgeberbescheinigungen, etc.).

Wie du Elterngeld beantragst, erklĂ€ren wir hier ausfĂŒhrlich: https://einfach-elterngeld.de/blog/elterngeld-beantragen

Wo beantrage ich Elterngeld?

Das Elterngeld beantragst du bei der Elterngeldstelle deines Wohnsitzes. Du findest die die Kontaktangaben online. Das Elterngeld musst du auf den offiziellen FormblÀttern schriftlich (Fax und E-Mail sind grundsÀtzlich nicht zulÀssig) beantragen. Eine 100%-digitale Lösung gibt es derzeit noch nicht. Die Bearbeitungsdauer liegt meist zwischen 6 und 10 Wochen. Allerdings gibt es hier regional leider starke Unterschiede.

Tipps, die dein Elterngeld erhöhen

Als Angestellte/r solltest du deine BruttobezĂŒge (laufend und pauschal versteuerten Lohnbestandteile) im sog. Bemessungszeitraum (das ist der 12 Monats-Vergleichszeitraum, der die Höhe deines Elterngeldes bestimmt) möglichst erhöhen. DafĂŒr kannst du folgendes machen:

  • Verzichte (soweit möglich) auf Entgeltumwandlungen in diesem Zeitraum.
  • Verteile Einmalzahlungen auf die einzelnen Monate um
  • Handle Lohnerhöhungen (wenn auch zeitweise) aus.
  • Lasse dir Überstunden auszahlen, statt sie abzufeiern.

Diese Tipps sind natĂŒrlich nur von Bedeutung, wenn man den Höchstbetrag von 1.800€ Basiselterngeld noch nicht erreicht hat.

3 Fehler, die viele Eltern machen

Fehler Nr. 1: Lebensmonatsprinzip nicht beachtet

Das Elterngeld wird fĂŒr Lebensmonate des Kindes bewilligt. Wenn dein Kind also zum 20. des Monats geboren wird, dauern die Lebensmonate vom 20. zum 19. des Folgemonats. Insbesondere bei der Beantragung der Elternzeit solltest du das Lebensmonatsprinzip beachten.

Wenn du deine Elternzeit abweichend vom Lebensmonatsprinzip beantragst, durchlÀufst du zwangslÀufig drei Zeitabschnitte:

  1. mit Elterngeld und Gehalt
  2. nur Elterngeld
  3. weder Gehalt noch Elterngeld

In diesem Moment wird dir das Elterngeld aufgrund des Zuverdienstes sehr wahrscheinlich gekĂŒrzt. Im schlimmsten Fall fĂ€llst du sogar komplett aus dem Anspruch, weil du ggf. durchschnittlich mehr als 30 Wochenstunden arbeiten warst.

Fehler Nr. 2: Geldwerte Vorteile im Gehalt und keine Gedanken gemacht

Wenn du einen Dienstwagen gestellt bekommst, eine Dienstwohnung hast oder andere geldwerte Vorteile erhÀltst, sind diese zunÀchst elterngeldrelevant. Ob man diese im Bezugszeitraum noch weiter bekommen möchte, sollte man sich gut durchrechnen, denn sie vermindern das Elterngeld.

Fehler Nr. 3: Gesellschafter-GeschĂ€ftsfĂŒhrer, PV-Anlage und Mitunternehmer

Wenn du (Gesellschafter-)GeschĂ€ftsfĂŒhrer bist, eine Photovoltaikanlage betreibst oder Mitunternehmer einer Personengesellschaft bist und dich vorher nicht informierst, kannst du richtig „auf die Nase fallen“. Hier gibt es stellenweise so viele Besonderheiten, dass eine umfassende Beratung sehr wichtig ist. Oft gibt es hier sehr viel Gestaltungspotential, welches du schlichtweg liegen lĂ€sst, wenn du deine Möglichkeiten nicht kennst.

Fazit

Elterngeld ist eine wichtige Hilfe fĂŒr Familien. Leider sind die Regelungen sehr komplex. Am besten lĂ€sst du dich vorher dazu beraten! Weitere Infos, Videos, Rechner findest du unter https://einfach-elterngeld.de

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