Schwangerschaft & Geburt Sicherheit

Schwanger im Job – Wann das Beschäftigungsverbot Dich und Dein Baby schützt

25. August 2021|12 Min. Lesezeit

Die Zeit, in der Du Dein Baby erwartest, ist mit Freude und Spannung verbunden. Dies ist allerdings auch die Zeit, in der die meisten werdenden Mütter weiter ihrer Arbeit nachgehen. Es gibt Tätigkeiten, bei denen es vollkommen unproblematisch ist. Es gibt aber auch solche Fälle, in denen das Arbeiten für das Kind oder die Mutter gefährlich werden kann. Das Beschäftigungsverbot schützt dann das Baby und die Schwangere im Job.

Assia Werner

Hallo, ich bin Assia. Als Autorin für Technologie, Wirtschaft und Marketing liefere ich den BabyQ-Lesern wertvolle Tips rund um Gesundheit und Recht.

Was ist ein Beschäftigungsverbot?

Ein Beschäftigungsverbot ist ein wichtiges Mittel im Arbeitsrecht. Das Verbot untersagt dem Arbeitgeber, seinen Mitarbeiter zu beschäftigen. Das geschieht zum Schutz des Arbeitnehmers. In der Schwangerschaft werden damit die werdende Mutter und ihr ungeborenes Kind geschützt.

Es gibt drei unterschiedliche Arten von Beschäftigungsverboten in der Schwangerschaft:

Das betriebliche Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft

Die betrieblichen Beschäftigungsverbote greifen dann ein, wenn die Arbeit für die werdende Mutter besonders schwer, anstrengend oder in anderer Form belastend ist.

Dazu gehören:

Das Verbot der Nachtarbeit

In der Nacht zu arbeiten ist jederzeit anstrengend. In der sensiblen Zeit der Schwangerschaft kann es besonders gefährlich sein. Deshalb verbietet das Gesetz die Nachtarbeit zwischen 20 Uhr und 6 Uhr ausdrücklich.

Nur unter strengen Voraussetzungen, also nur, wenn

  • Du es unbedingt möchtest,

  • Dein Arzt es erlaubt,

  • Du bei der Arbeit nicht allein bist und

  • die Aufsichtsbehörde zustimmt,

darf Dein Arbeitgeber Dich in der Schwangerschaft nachts beschäftigen.

Das Verbot von Sonn- und Feiertagsarbeit

Das Verbot der Sonn- und Feiertagsarbeit gilt zwar weniger streng als das Nachtarbeitsverbot. Das bedeutet für Deinen Arbeitgeber aber immer noch, dass er an klare Regeln gebunden ist. Er darf Dich in der Schwangerschaft nur dann für Sonn- und Feiertage einteilen, wenn

  • Du dies ausdrücklich wünschst,

  • Du nach jedem Tag der Sonn- und Feiertagsarbeit in der darauffolgenden Woche einen Ersatzruhetag bekommst,

  • Du bei der Arbeit nicht allein bist und

  • die Aufsichtsbehörde es erlaubt.

Das Verbot der unverantwortbaren Gefährdung

Das Verbot der unverantwortbaren Gefährdung gilt, wenn Du in Deinem Job schweren Belastungen ausgesetzt bist, die Dich oder Dein Baby in Gefahr bringen.

Das sind insbesondere Arbeiten:

  • mit hoher Unfallgefahr,

  • an Maschinen, bei denen Du Deine Füße besonders belastest,

  • bei denen Du immer wieder heben oder schwere Lasten ohne mechanische Hilfe bewegen musst,

  • die in gebückter Haltung ausgeführt werden,

  • bei denen Du Dich oft beugen oder strecken musst,

  • in Akkord- oder Fließband, bei denen hohe Konzentration erforderlich ist,

  • mit gesundheitsschädlichen Materialien oder unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen wie Strahlung, Hitze, Dämpfen, Kälte, Staub, Gasen, Nässe, Lärm, Erschütterungen,

  • mit infektiösen Stoffen,

  • bei denen die Gefahr besteht, an einer Berufskrankheit zu erkranken.

     

Ab dem 6. Schwangerschaftsmonat ist Dein Job auch dann eine unverantwortbare Gefährdung, wenn Du bei Deiner Arbeit jeden Tag vier Stunden lang stehen musst, ohne Dich dabei genug bewegen zu können.

Das gesetzliche Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft

Baby-Q-Tipp

Bitte denke daran, auch wenn Du Dich einmal für die Arbeit entschieden hast, kannst Du Deine Entscheidung jederzeit ändern und zu Hause bleiben. Dies gilt für alle Arten von Beschäftigungsverboten.

Das ärztliche Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft

Auch wenn Dein Job leicht und einfach ist, bedeutet es nicht, dass Du während Deiner Schwangerschaft auf jeden Fall arbeiten musst. Hast Du Komplikationen in der Schwangerschaft, wird Dein Arzt entscheiden, wie sicher es für Dich und Dein Baby ist, wenn Du weiter zur Arbeit gehst.

Dein Arzt wird Dir insbesondere dann ein Beschäftigungsverbot erteilen, wenn bei Dir

  • eine Frühgeburt zu befürchten ist,

  • Mehrlinge erwartet werden,

  • eine Muttermundschwäche vorliegt,

  • Rückenschmerzen festgestellt wurden oder

  • andere gesundheitliche Beschwerden erkannt werden, die eine weitere Beschäftigung in der Schwangerschaft zu einem Risiko werden lassen.

Das gesetzliche Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft

Das gesetzliche Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft

Das gesetzliche Beschäftigungsverbot schützt jede Schwangere. Das heißt, unabhängig davon, ob Deine Arbeit schwer oder einfach ist, ob Du Deine Schwangerschaft mit Leichtigkeit genießt oder nur unter großer Anstrengung bewältigst, für Dich gilt auf jeden Fall die Mutterschutzfrist.

Zu unterscheiden ist dabei:

Die Mutterschutzfrist sechs Wochen vor der Geburt

In den 6 Wochen vor der Geburt darf Dein Arbeitgeber Dich nur dann beschäftigen, wenn Du das selbst ausdrücklich wünschst.

Die Mutterschutzfrist 8 Wochen nach der Geburt

Dein Arbeitgeber darf Dich in den ersten 8 Wochen nach der Geburt nicht beschäftigen. Dieses gesetzliche Beschäftigungsverbot ist absolut. Das heißt, auch wenn Du gern arbeiten möchtest, darf Dein Arbeitgeber es auf keinen Fall zulassen.

Die verlängerte Mutterschutzfrist 12 Wochen nach der Geburt

In besonderen Fällen darf Dein Arbeitgeber Dich sogar 12 Wochen lang nach der Geburt auf keinen Fall beschäftigen.

Das gilt dann, wenn Du

  • eine Frühgeburt hattest,

  • Mehrlinge bekommen hast oder

  • wenn bei Deinem Baby eine Behinderung erkannt wurde und Du daraufhin die Verlängerung beantragst.

Beginn des Beschäftigungsverbots - Zu welchem Zeitpunkt kann das Beschäftigungsverbot frühestens greifen?

Alle Beschäftigungsverbote können nur dann für den Arbeitgeber bindend sein, wenn ihm die Schwangerschaft bekannt ist. Das bedeutet für Dich, dass Du erst ab dem Zeitpunkt den vorgesehenen Schutz genießen kannst, zu dem Du Deinen Arbeitgeber von Deiner Schwangerschaft informierst.

Lohnfortzahlung und Beschäftigungsverbot - Wer zahlt während des Beschäftigungsverbots?

Darfst Du wegen des Beschäftigungsverbots nicht arbeiten, muss Dein Arbeitgeber Dir Deinen Lohn weiter zahlen. Das ist der sogenannte Mutterschutzlohn.

Damit kannst Du sicher sein, dass Du keine Nachteile hast, wenn Dir ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen wird. Du brauchst also nicht aus finanziellen Gründe einer Arbeit zustimmen, wenn Du es nicht möchtest oder Dich nicht wohl dabei fühlst.

Lohnfortzahlung und Beschäftigungsverbot

Baby-Q-Tipp

Sag Deinem Arbeitgeber sofort Bescheid, nachdem Deine Schwangerschaft von einem Arzt bestätigt wurde. Möchte Dein Arbeitgeber ein ärztliches Attest als Nachweis haben, ist er dazu verpflichtet, Dir die Kosten dafür zu erstatten.

Bitte denke daran, nach der Mitteilung an Deinen Arbeitgeber erhältst Du nicht nur den Schutz durch das Beschäftigungsverbot. Auch der Kündigungsschutz in der Schwangerschaft greift erst dann, wenn Dein Arbeitgeber weiß, dass Du schwanger bist.

Kündigungsschutz in der Schwangerschaft - Kann Dir während des Beschäftigungsverbots gekündigt werden?

Zu diesem sehr wichtigen Thema lassen wir eine Rechtsanwältin – Frau Smaro Sideri – zu Wort kommen. Sie ist Fachanwältin für Arbeitsrecht und ist damit der richtige Ansprechpartner rund um Kündigungsschutz und Beschäftigungsverbot.

Wir wünschen Dir eine entspannte und angenehme Schwangerschaft. Deine Assia von Baby-Q.

 

 

Frau Smaro Sideri
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Du würdest es am liebsten der ganzen Welt erzählen, dass du schwanger bist! Auch deinen Arbeitskollegen? Und dem Arbeitgeber? Musst du es überhaupt schon von Anfang an sagen?

Es steht dir frei, wann du die frohe Botschaft verkünden möchtest. Im Gesetz steht, dass eine schwangere Frau die Schwangerschaft mitteilen soll, sobald sie es weiß, es ist aber eben kein Muss.

Je nach Job macht es natürlich Sinn, frühzeitig dem Arbeitgeber Bescheid zu sagen, damit die erforderliche Gefährdungsbeurteilung gemacht werden kann.

Der Kündigungsschutz in der Schwangerschaft besteht aber von Anfang an, unabhängig davon, ob der Arbeitgeber davon Kenntnis hat oder nicht! Das Mutterschutzgesetz sieht der Schutz der werdenden Mutter und des ungeborenen Kindes als so ein hohes Gut an, dass die Interessen des Arbeitgebers zurücktreten müssen und er das Arbeitsverhältnis einer schwangeren Frau nicht kündigen kann.

Dieser Kündigungsschutz gilt auch noch 4 Monate nach der Entbindung und auch vier Monate nach einer Fehlgeburt nach der zwölften Schwangerschaftswoche ( § 17 MuSchG).

Eine Kündigung ist in dieser Zeit unzulässig. Findet in dieser Zeit eine Umstrukturierung in deinem Betrieb statt, kannst du nicht von einer betriebsbedingten Kündigung betroffen sein.

Hat der Arbeitgeber in Unkenntnis der Schwangerschaft gekündigt, musst du innerhalb von zwei Wochen nach Zugang der Kündigung die Schwangerschaft mitteilen und auch eine ärztliche Bescheinigung vorlegen.

Und was ist, wenn eine Schwangere beim Klauen erwischt wird?? In Ausnahmefällen kann der Arbeitgeber bei der zuständigen Mutterschutzbehörde einen Antrag auf Zulässigerklärung der Kündigung stellen. Die Behörde prüft dann den Fall und hört auch die Schwangere an und entscheidet, ob die Kündigung für zulässig erklärt wird.

Wirst du in einem befristeten Arbeitsverhältnis schwanger, hilft der Sonderkündigungsschutz allerdings nicht. Denn bei einer Befristung ist eine Kündigung nicht erforderlich, die Befristung läuft nach Zeitablauf aus.

Frau Smaro Sideri, Fachanwältin für Arbeitsrecht

https://teilzeit-anspruch.de

Instagram: https://www.instagram.com/smarosideri/

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